So kann man Stress bei Katzen reduzieren!

 



Die meisten Katzen lieben es, gebürstet zu werden - jedenfalls wenn sie es kennen. Deswegen ist es am einfachsten, bereits Kitten an die Bürste zu gewöhnen. Das geht dann ganz spielerisch: Am besten nimmt man zunächst eine weiche Bürste, die auch nicht zu groß sein sollte, damit sich das Kätzchen nicht erschreckt. Damit fährt man ganz leicht und nur ein bis zwei Mal sanft an den Backen des Kätzchens entlang. Nach und nach kann man dann die Bürste auch über den Rücken, die Flanken und - nach langer Übung - auch den Bauch des Kätzchen führen.



Aber auch ältere Katzen kann man stressfrei an die Bürste gewöhnen. Wichtig ist dabei vor allem: Geduld! Man beginnt damit, dass man der Katze die Bürste zeigt, sie beschnuppern und auch mal anknabbern lässt. Erst wenn die Katze völlig entspannt auf die Bürste reagiert, beginnt das eigentliche Training. Dabei ist es wichtig, die Katze nicht zu überfordern, nur ganz kleine Schritte zu machen und immer aufzuhören, solange die Katze noch entspannt ist. Sie soll die Bürste als angenehm empfinden, das Bürsten als zusätzliche Streicheleinheit. Auch hier fängt man mit der weichen Seite an und streicht zunächst nur sanft die Bäckchen entlang. Da Katzen an dieser Stelle Duftdrüsen haben, die sie zum Markieren nutzen, werden sie schnell von selbst ihr Köpfchen an der Bürste entlang reiben.
Pfötelt die Katze nach der Bürste oder hält sie spielerisch fest, dann bitte einfach machen lassen - auch eine spielerische Annäherung dient zum Stressabbau!


Mit viel Geduld wird man nach einiger Zeit eine entspannte Katzen haben, die das Bürsten sichtlich genießt:

 

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

                                                           DIE TRANSPORTBOX

 

Und trotzdem gehört die Transportbox zum Katzenleben dazu: Tierarztbesuche, Umzug und viele andere Gründe führen mehr oder weniger regelmäßig dazu, dass die Katze in die Box muss. Und da die meisten dieser Gründe eben aus Katzen- (und oft auch aus Menschen-)Sicht nicht besonders erfreulich ist, ist es umso schwerer, den dabei entstehenden Stress zu reduzieren.


Quelle: Hartmut910 / pixelio.de

Ein paar Tricks gibt es aber trotzdem:

1. Die Box sollte zum täglichen Leben gehören.
Ein großer Fehler ist es, die Transportbox im Keller, auf dem Dachboden oder an einem anderen geheimen Ort zu verstecken. Denn dann weiß die Katze sofort was los ist, wenn ihr die Box herausholt und wird sich verstecken. Die sich nun anschließende Fangaktion verschlimmert sowohl den momentanen Stress als auch die negative Erwartungshaltung rund um den Transportkorb.
Besser ist, wenn die Box mit einer kuscheligen Decke oder einem kuscheligen Kissen ausgestattet in einer ruhigen Ecke steht und als gemütlicher Liegeplatz genutzt werden kann. Dabei hilft es auch, die Miez immer mal wieder mit einem Leckerli in die Box zu locken.

Mit viel Training (z. B. Clickertraining) kann man der Katze unter Umständen beibringen, freiwillig in die Box zu gehen, drin zu bleiben und sich zu entspannen, auch wenn sich die Tür schließt. Aber das klappt nur, wenn das Training lange vor dem ersten "richtigen" Einsatz der Transportbox beginnt. Hat die Katze einmal schlechte Erfahrungen gemacht, hilft auch das beste Training selten. Zumal unsere Samtpfoten durchaus wissen, wann wir es wirklich ernst meinen...



2. Die richtige Transportbox
Katzen sind sehr individuelle Tiere. Deswegen kann die Suche nach einer Transportbox, in der sich die Katze halbwegs sicher fühlt, lange dauern. Manche Katzen fühlen sich zum Beispiel sicherer, wenn sie sich in der Box verkriechen und verstecken können. Dann macht es Sinn, eine Box zu kaufen, die nicht von jeder Seite einsehbar ist, sondern einen gewissen Sichtschutz bietet. Andere Katzen kommen besser klar, wenn sie ihre Umgebung gut sehen können - hier sollte man besser zu einer möglichst transparenten Box greifen.


Ganz wichtig und bei den meisten Boxen leider nicht bedacht: Der Einstieg. Die meisten Katzen gehen nun einmal nicht freiwillig in die Transportbox. Und für sie ist es doppelt stressig, wenn man sie dann mehr oder weniger rabiat in den engen Eingang der typischen Box schiebt. Grundsätzlich lässt sich das "Einpacken" besser und vor allem entspannter bewerkstelligen, wenn der Eingang zur Box wesentlich größer ist als die Katze, wie zum Beispiel bei dieser hier:


Quelle: http://shop.afterbuy.de/Katzen---Hunde-T...e-3f2b9564b0fc/

3. RUHE BEWAHREN!
Der wichtigste Tipp zum Schluss: Je ruhiger ihr selbst seit, umso weniger Stress hat die Katze. Und die Ruhe muss schon vor dem Einfangen da sein! Wenn ihr selbst aufgeregt seid, dann müsst ihr zunächst dagegen ankämpfen, zum Beispiel auch, indem ihr ein paar Notfalltropfen oder etwas Baldrian nehmt.

Wenn ihr dann auf Katzenfang geht - und das mag jetzt blöd klingen - versucht, nicht an die Transportbox zu denken, versucht vor eurem inneren Auge irgendwas zu sehen, was für eure Katzen völlig uninteressant ist. Katzen spüren sehr genau, was in ihren Haltern vorgeht. Und wenn ihr euch darüber Gedanken macht, wie stressig und kompliziert das jetzt alles sein wird, dann überträgt sich das natürlich auch auf die Katze und sie wird im Zweifel misstrauisch unterm Bett verschwinden.

Nehmt eure Katze sanft und nicht zu schnell auf den Arm und bugsiert sie genau so sanft in die Transportbox. Wenn sie euch entwischt, kratzt oder gar beißt, dann gebt ihr eine Weile Zeit und versucht es nochmal. Ihr könnt dann auch versuchen, sie mit einem Stinkespielzeug soweit abzulenken, dass ihr sie überlisten könnt.

Katzen, die überhaupt nicht handzahm sind, kann man so natürlich nicht fangen, hier hilft nur eine mit Futter bestückte Katzenfalle vom Tierschutzverein!

 

 

-----------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

                                                                    DAS AUTOFAHREN

Prinzipiell sind Katzen sehr revierbezogene und daher standorttreue Tiere. Sie mögen es einfach nicht, wenn sich ihre Umgebung zu schnell und zu sehr verändert. Mindestens genauso schwierig ist es für Katzen, wenn sie - als eigentlich sehr eigenwillige und selbstbestimmt lebende Jäger - nicht selber entscheiden können, was mit ihnen geschieht.
Deswegen ist das Autofahren gleich unter mehreren Aspekten ein großer Stressfaktor für unsere Fellnasen. Und meist bedeutet die Fahrt mit dem Auto auch noch etwas unangenehmes - denn meist geht es ja zum Tierarzt.

Quelle: Tina Gössl / pixelio.de

Nur wenige Katzen sitzen so entspannt im Auto! Aber es ist möglich: Wenn man seine kleine Miez bereits im Kittenalter an das Auto und seine Geräusche gewöhnt und so den Stresspegel nur ganz allmählich erhöht, hat sie vielleicht sogar Spaß an einem Ausflug. Mein Tierarzt erzählt immer gern die Geschichte, wie er während seiner gesamten Studienzeit jede Woche zwischen Erfurt und Leipzig gependelt ist und dabei immer seinen Kater ganz entspannt auf der Schulter liegen hatte.

Wer nun aber die Chance verpasst hat, in der wichtigen Prägephase auch gute Autofahr-Erfahren im Katzenköpfchen zu verankern, der kann es seiner Miez zumindest ein bisschen leichter machen:

Merkposten 1: Die richtige Transportbox. Wenn sich die Katze in ihrer Box halbwegs geborgen und sicher fühlt, wird sie auch ein bisschen weniger Stress im Auto haben.

Merkposten 2: Das richtige Klima. Wenn ihr mit eurer Fellnase im Auto unterwegs seid, müsst ihr darauf achten, dass das Klima im Auto stimmt. Es darf weder zu heiß noch zu kalt sein, am besten normale Zimmertemperatur. Das heißt auch, dass ihr das Auto im Zweifel entweder vorheien oder vor Fahrtbeginn abkühlen müsst! Starke Temperaturschwankungen erhöhen den Stress für die Miez und können eventuell sogar Kreislauf- oder Herprobleme nach sich ziehen.
Außerdem solltet ihr darauf achten, dass die Miez keine Zugluft abbekommt (weder vom Fenster noch der Lüftung!). Üble Straßenverkehrsgerüche solltet ihr nach Möglichkeit auch vrmeiden - also rechtzeitig auf reine Innenumluft umschalten!

Merkposten 3: Die richtige Stimmung. Natürlich sind wir selbst aufgeregt und nervös, wenn wir eine schreiende Katze im Auto haben. Dennoch wird sich gerade dann unsere Unruhe auf die Katze übertragen und die Situation noch verschlimmern. Da hilft es, leise mit (sich selbst und) der Katze zu reden, vielleicht auch ein bisschen ruhige Musik abzuspielen. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass sich Katzen von bestimmten klassischen Stücken beruhigen lassen. Die Musikindustrie hat daraus einen eigenen Markt entwickelt: (Quelle: KLICK)

Merkposten 4: Der richtige Platz. Nun hängt es ein bisschen vom Charakter eurer Kastze ab, in welchem Teil des Autos sie am wenigsten gestresst wird. Die meisten Katzen mögen es nicht, wenn die Transportbox auf dem Boden vor den Sitzen steht. Zum einen sind Katzen Tiere, die sich an erhöhtem Platz sicherer fühlen, andererseits spüren sie am Boden die Vibrationen des Motors und die Unebenheiten der Strecke besonders stark. Deswegen sollte man die Box zumindest gut angeschnallt auf den Beifahrer- oder Rücksitz stellen. Manche Katzen - wie beispielsweise mein Millo - mögen es mehr, wenn sie während der Fahrt aus dem vorderen oder hinteren Fenster sehen können. Dabei kann ein handelsüblicher Kindersitz helfen, auf dem die Box angeschnallt wird. Bitte aber darauf achten, dass die Katze nicht nur zum Seitenfenster raussehen kann - wie wir Menschen reagiert auch manche Miez dann mit Übelkeit!

Merkposten 5: Wissen, wann Schluss ist! Wenn man weiß, dass die eigene Katze ganz extremen Stress beim Autofahren hat, dann sollte man ihr auf keinen Fall unnötige Fahrten zumuten! Wenn ein Tierarztbesuch unumgänglich ist, dann muss sie da zwar trotzdem durch, aber man kann ihr die Situation beispielsweise mit Bachblütennotfalltropfen etwas angenehmer gestalten. Grundsätzlich sind aber viele Tierärzte auch bereit, in solchen Fällen auch mal einen Hausbesuch zu machen.
Für längere Fahrten - zum Beispiel wegen Umzug oder Urlaub - kann man (natürlich nur, wenn die Katze gesund ist!!) beim Tierarzt auch nach einem Beruhigungsmittel fragen.

 

----------------------------------------------------------------------------------------------------

 

 

                                                                               BESUCH

Was für uns Menschen eine vollkommen normale und angenehme Bereicherung des täglichen Lebens ist, kann für manche Katzen zum absoluten Stressfaktor werden: fremde Menschen in der Wohnung. Grundsätzlich sind Katzen sehr revierbezogene Tiere, die es nicht mögen, wenn sich ihr Revier grundlegend verändert. Dabei sind Freigängerkatzen etwas toleranter gegenüber Veränderungen als die meisten Wohnungskatzen, denn ihr Lebensraum ändert sich natürlich öfter.

Um nun diese Situation für die Katze zu erleichtern, gibt es ein paar einfache Tricks:

1. Die Katze verstehen

Bevor man sich Gedanken macht, wie man der Katze die Situation erleichtern kann, muss man zunächst verstehen, warum sie mit Stress reagiert.

Gerade für viele Wohnungskatzen ist der menschliche Besuch nichts anderes als ein Eindringling im Revier, den man entweder vertreiben kann oder vor dem man sich verstecken muss. Das schlimmste am Besuch aber ist, dass er genauso plötzlich wie er in das Revier eingedrungen ist, auch wieder verschwindet und dann ohne Vorwarnung einfach wieder kommt. Das ist ein aus Katzensicht völlig seltsames unverständliches Verhalten. Begegnen sich zwei Katzen draußen an einem Ort, den beide als Revier beanspruchen, so gibt es nämlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder es kommt zum Kampf und eine der beiden unterliegt. Dann wird sie diesen Ort und alle weiteren Orte, die der Überlegene für sich beansprucht, künftig meiden.



Oder - wenn beide gleich stark sind oder der umkämpfte Ort für beide nicht wichtig genug ist - einigen sie sich darauf, wer zu welcher Zeit das Recht auf diesen Platz hat.

Letzteres passiert vor allem dann, wenn es um bestimmte Wege geht. Das Revier der Katze besteht aus einer engeren sehr privaten und damit auch ernsthaft zu verteidigenden Zone, in der die Fress- und Schlafplätze liegen, und aus einem größeren Bereich, der in regelmäßigen Abständen abgegangen wird. Diese Wege benutzen oftmals mehrere Katzen, aber eben nicht zur selben Zeit.

Menschlicher Besuch zeigt dafür nun wahrhaft keinerlei Respekt. Da wird durch Fress-, Schlaf- und Toilettenplätze einfach durchgelatscht, wichtige Duftmarkierungen werden zerstört und manchmal auch noch zum Revier gehörende Bereiche verschlossen (spätestens wenn Mensch mal muss, hört das Verständnis für offene Türen auf...)

2. Rückzugsorte anbieten

Die wenigsten Katzen werden auf einen menschlichen Besucher direkt mit Aggression reagieren - sie sind ja nicht so dumm, den Gegner zu unterschätzen... Deswegen sollte man der Katze einige sichere Plätze abseits der Besucher anbieten. Neben den klassischen Verstecken unter dem Bett oder unter der Couch bieten sich dazu Kartons und vor allem erhöhte geschützte Plätze an. Wichtig ist, dass diese Orte dann von allen Menschen respektiert werden. Dort ist die Katze tabu für streichelnde Hände, neugierige Blicke oder andere aufdringliche Annäherungsversuche!

#
Quelle: kaemte / pixelio.de

3. Keine Wege beschneiden!!!

Sowohl die Rückzugsmöglichkeiten der Katze als auch die "Platzierung" der Besucher sollten so gewählt sein, dass der Katze keine Wege abgeschnitten werden! Sie muss jederzeit ohne Behinderung die Möglichkeit haben, den Raum zu verlassen und vor allem ihr Klo, die Fress- und Trinkplätze oder den Kratzbaum zu erreichen. Besonders in kleinen Wohnungen ist hierbei ein bisschen Geschick des Katzenhalters nötig. Am besten achtet man bereits von Anfang an bei der Einrichtung der "Katzensachen" darauf, dass sie ihre Plätze auch bei voller Wohnung halbwegs unbeobachtet aufsuchen und verlassen kann.

4. Kätzische Höflichkeit zeigen

Menschen neigen dazu, sich fremden Haustieren zu schnell, zu laut und von oben herab zu nähern. Das wirkt bedrohlich. Gerade das Anstarren (auch wenn man dabei sagt "Ist die süüüß!!") ist aus kätzischer Sicht eine massive Unhöflichkeit, die man unbedingt vermeiden sollte.

Grundsätzlich gilt: Hat die Katze erkannt, dass von dem Besucher keine unmittelbare Gefahr ausgeht, wird sie irgendwann (das kann Minuten, Stunden oder Tage dauern!) neugierig näher kommen. Dann ist Geduld gefragt: Auch wenn die Katze näher schleicht, heißt das nicht, dass sie angesprochen oder angefasst werden will. Bitte lasst die Katze entscheiden, wann sie wie viel Kontakt möchte.

5. Langsame Gewöhnung!

Wenn ihr eine besonders ängstliche Katze habt, dann solltet ihr sie nur langsam an Besuchssituationen heranführen. Also bitte nicht gleich eine Silvesterparty mit vielen Menschen und Krach veranstalten, sondern mit viel Geduld Schritt für Schritt die Katze an die für sie unangenehme Situation heranführen. Besucher mit lauter tiefer Stimme solltet ihr erstmal nicht einladen

 

 

 

 

Danke an CG für die freundliche Leihgabe der Artikel.